Kapitalanlagerecht

Kapitalanlagerecht

Im Kapitalanlagenbereich werden Verbraucher oft mit undurchsichtigen Angeboten konfrontiert, die nicht selten unseriös oder gar betrügerisch sind.

Es werden Renditen und lukrative Wiederverkaufsmöglichkeiten versprochen, die häufig nicht zutreffen.

Wir haben uns durch jahrelang erfolgreicher Prozesse ein reichhaltiges juristisches Wissen in der Bearbeitung wirtschaftlicher Rechtsfälle erarbeitet und dieses Wissen in einer Vielzahl erfolgreicher Prozesse für unsere Mandanten umgesetzt.

Aktuelles

Graue (Genossenschafts-) Schafe auf dem Grauen Kapitalmarkt

Wohnungsbaugenossenschaft e.G., die Wohnungsgenossenschaft Grundwerte e.G., die Sparfreunde Deutschland e.G., die Saxonia e.G. oder die GENO Wohnungsbaugenossenschaft e.G. Die Verbraucherzentrale Hamburg warnt mittlerweile vor Anbietern von Genossenschaftsanteilen, sog. „Anlagegenossenschaften“ des Grauen (nicht überwachten) Kapitalmarktes.

Missbrauch des Gemeinschaftsgedankens der Genossenschaft?

Genossenschaften schließen als wirtschaftliche Vereine Geschäfte ab und investieren das Vermögen ihrer Mitglieder beispielsweise in Immobilien oder Projekte der Energieerzeugung oder -versorgung. Die Verbraucherzentrale Hamburg weist darauf hin, dass der gute Name der Rechtsform zunehmend von Unternehmen des sog. Grauen Kapitalmarkts missbraucht wird, die mit staatlicher Förderung und Gewinnbeteiligungen um Anleger werben. Der Verbraucherzentrale Hamburg liegen zahlreiche Beschwerden von betroffenen Genossen vor.

Keine staatliche Kontrolle

Genossenschaften unterliegen, anders als Genossenschaftsbanken wie die Volks- und Raiffeisenbanken, nicht der staatlichen Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Bei einigen Anbietern ist es daher möglich, im Falle einer Insolvenz als Mitglied alle eingezahlten Beträge zu verlieren oder sogar Nachzahlungen leisten zu müssen. Der von einigen Genossenschaften erweckte Eindruck, es handele sich um „Genossenschaftssparen“ und damit eine sichere Sparanlage, ist falsch. Hier ist vielmehr sogar ein Totalverlust möglich, wie z. B. Anleger der Wohnungsgenossenschaft Grundwerte e.G. bereits schmerzlich erfahren mussten. Die Eventus e.G. musste im September 2017 sogar einen Insolvenzantrag stellen. Mittlerweile hat der Insolvenzverwalter angezeigt, dass Masseunzulänglichkeit (§ 208 Abs. 1 InsO) vorliegt.

Keine sichere, eine sondern risikobehaftete Anlage

Verschiedene Anbieter nutzen den guten Ruf von Genossenschaften und werben Anleger mit einer angeblich sicheren Geldanlage und guten Renditen an. Doch die vermeintlich sichere Geldanlage ist eine unternehmerische Gesellschaftsbeteiligung, bei der ein Totalverlust drohen kann. Dies gilt insbesondere für die sogenannten Anlagegenossenschaften, bei denen nicht die Förderung der Mitglieder, z. B. durch Überlassung von verbilligtem Wohnraum im Vordergrund steht, sondern die Kapitalanlage selbst, also die Erzielung von möglichst hohen Renditen.

Z. B. wirbt die Protectum e.G. wirbt vollmundig mit:

„Sicherer geht es nicht – Ihr Geld unter staatlicher und genossenschaftlicher Aufsicht.

Die Entscheidung für Genossenschaftssparen bringt Sie garantiert nicht um den Schlaf. Sicher kennen Sie bereits einige Genossenschaften. Dazu zählen z. B. die Volks- und Raiffeisenbanken bei Ihnen vor Ort. Die PROTECTUM ist eine Wohnungsbaugenossenschaft.“

Die Protectum e.G. oder das von den Genossen eingezahlte Geld steht jedoch gerade nicht unter staatlicher Aufsicht, sondern lediglich der Prüfungsverband. Auch die alternative Gesellschaftsform der AG & Co. KG bzw. GmbH & Co. KG konnte sich bisher einer unabhängigen Prüfung des Jahresabschlusses unterziehen und ist diese Prüfung mittlerweile nach dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) vorgeschrieben. Von einem „Mehr an Sicherheit“ kann also überhaupt keine Rede sein. Genossenschaften unterliegen – anders als die Genossenschaftsbanken – nicht der Kontrolle der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Dies versucht die Protectum e.G. mit der Gleichsetzung der Sicherheit von Wohnungsgenossenschaften und Genossenschaftsbanken zu verschleiern. Wohnungsgenossenschaften werden nur von ihren eigenen Prüfverbänden geprüft, die von den Genossenschaften selbst bezahlt werden. Hier sind Interessenkonflikte vorprogrammiert. Zudem erhält ein Genosse vom Prüfverband wegen der Verschwiegenheitspflicht keine Auskünfte, so dass der Anleger nicht rechtzeitig auf Missstände reagieren kann. Bei der Eventus e.G. ermittelt mittlerweile die Staatsanwaltschaft, weil hier trotz Prüfung durch den Prüfungsverband Gelder zweckentfremdet worden sein sollen. Bei der Grundwerte e.G. wurden die Jahresabschlüsse zuletzt durch den Prüfungsverband gar nicht geprüft, weil offenbar die Umsatzerlöse unter 1. Mio. € (§ 53 Abs. 2 GenG a.F.) lagen. Hier liegt eher ein „Weniger“ an Sicherheit vor.

Die Verbraucherzentrale Hamburg berichtet, dass die Wohnungsgenossenschaft Grundwerte e.G. bereits 2015 vom Prüfverband ausgeschlossen wurde. Hiergegen wehre sich die Genossenschaft in einem Gerichtsverfahren.

Bei der Eventus e.G. werden geschädigte Genossen vom genossenschaftlichen Prüfungsverband mit kostspieligen Unterlassungserklärungen konfrontiert, wenn Sie deren Prüfqualität kritisieren, obwohl selbst die Landesministerin, die für die Aufsicht über die genossenschaftlichen Prüfverbände zuständig ist, prüfen lassen will, ob der zuständige Verband gegen Pflichten des Genossenschaftsgesetzes verstoßen hat.
( s. Artikel aus der Stuttgarter Zeitung vom 18.04.2018 )

Hier zeigt sich deutlich, dass ein genossenschaftlicher Prüfverband nichts mit Anlegerschutz zu tun hat. Hier wäre eine Pflichtprüfung durch eine unabhängige, von der Generalversammlung gewählte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, wie bei anderen Gesellschaftsformen auch, im Sinne des Anlegerschutzes sicherlich die sinnvollere Alternative.

Risiken wie bei anderen unternehmerischen Kapitalanlagen

Der Vertrieb von Genossenschaftsanteilen unterliegt – anders als z. B. der Vertrieb von KG-Beteiligungen – nicht der gesetzlichen Prospektpflicht. Der Vertrieb von Anteilen an einer Genossenschaft unterliegt auch keinerlei staatlicher Kontrolle, hier gibt es keine Einlagensicherung und es ist möglich, im Falle einer Insolvenz die gesamte Einlage zu verlieren.

Damit bestehen hier alle Risiken, die bei sonstigen unternehmerischen Graumarkt-Beteiligungen auch vorhanden sind: Das Risiko des Totalverlustes, bei Ratenzahlern die weiterbestehende Einzahlungsverpflichtung im Insolvenzfalle, keine Einlagensicherung und bei Beendigung der Beteiligung kein Anspruch auf Rückzahlung der Einlage, sondern nur auf den Wert des Geschäftsanteils, das sog. Auseinandersetzungsguthaben. Dieses ist bei diesen Graumarktbeteiligungen aufgrund hoher Emissionskosten meist weit geringer als die Einzahlungen des Mitglieds und hängt davon ab, wie erfolgreich der Vorstand gewirtschaftet hat. Das sog. „Eintrittsgeld“ in unterschiedlicher Höhe ist ohnehin verloren. Bei der Wohnungsgenossenschaft Grundwerte e.G. bleibt aufgrund des angehäuften Bilanzverlustes von den Einzahlungen des Genossen gar nichts übrig.

Erschwerter Ausstieg, wenig Rechte für Genossen

Zudem wird durch lange Kündigungsfristen bis 5 Jahre der Ausstieg erschwert und bekommt der Genosse kaum eine Einsicht in die Geschäftstätigkeit. Die Wohnungsgenossenschaft Grundwerte e.G. verlangt sogar unverschämte 50,00 EUR für die Übersendung eines Jahresabschlusses. Im elektronischen Bundesanzeiger findet sich kein vollständiger Jahresabschluss, sondern nur eine verkürzte Bilanz ohne Gewinn- und Verlustrechnung. Wer bei dieser Genossenschaft nicht regelmäßig das in der Satzung genannte Mitteilungsblatt (die Süddeutsche Zeitung) aufmerksam liest und auswertet erfährt nicht einmal, ob und wann eine Generalversammlung stattfindet.

Versprechen und Wirklichkeit

Das ARD-Magazin „plusminus“ berichtete in einem Beitrag vom 11. April 2018 über zwei dieser Genossenschaften, die inzwischen insolvente Eventus e.G. aus Stuttgart und die Wohnungsgenossenschaft Grundwerte eG. Bei beiden Genossenschaften hätten die Anleger viel Geld verloren und in beiden Fällen ermittle die Staatsanwaltschaft.

Ausgeschiedene Genossen der Wohnungsgenossenschaft Grundwerte e.G. erhalten ein negatives Auseinandersetzungsguthaben mitgeteilt. Bei Nachfragen wird mitgeteilt, solle man sich an den Hausjuristen der Gesellschaft wenden. Die Wohnungsgenossenschaft Grundwerte e.G. verschwieg dem beitretenden Anleger sogar die bisherige – negative – Geschäftstätigkeit.

Rechte und Ansprüche der Genossen

Wurden die Risiken verschwiegen und die Anleger-Genossen nicht ordnungsgemäß aufgeklärt, können sie Ansprüche auf Schadensersatz oder zumindest ein Kündigungsrecht haben. Auch die Widerrufsbelehrungen sind häufig fehlerhaft. Anleger-Genossen sollten daher Ihre Ansprüche rechtzeitig prüfen lassen. Auch bei Genossenschaftsbeteiligungen verjähren Schadensersatzansprüche 10 Jahre nach dem Beitritt.

Gerne stehen wir Ihnen für eine rechtliche Erstberatung zur Überprüfung Ihrer Genossenschaftsbeteiligung und Ihrer rechtlichen Möglichkeiten zur Verfügung.



Autor: Rechtsanwalt Jürgen Naumer

Alle Jahre wieder … schockierende Abrechnungen der DSS Fonds!


(Bildquelle: pixabay.com)


(August 2018) Alle Jahre wieder fallen Anleger der DSS-Fonds

DSS Vermögensverwaltung GmbH & Co. 1. KG,
DSS Vermögensverwaltung GmbH & Co. 2. KG,
DSS Vermögensverwaltung GmbH & Co. Premium KG
und
Premium Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG

nach Kündigung und Übersendung der “Abrechnung” aus allen Wolken.
Abrechnung 2016
Statt ein hohes Guthaben durch „stabile und kontinuierliche Renditen“ zu erhalten, um einen „sorgenfreien Lebensabend“ oder „Wohlstand“ und Luxus“ zu genießen, müssen sie einen drastischen Kapitalverlust hinnehmen. Es werden Vertragsverlängerungen angeboten, damit der Anleger an einem “ggf. höherem Auseinandersetzungsguthaben teilhaben” kann.

Dies dient u.E. nur dem Ziel, den Anleger bis zum Eintritt der Verjährung seiner Ansprüche hinzuhalten, denn seit Jahren verringern sich die Auseinandersetzungsguthaben stetig. Der Anleger nimmt als Gesellschafter natürlich auch an den weiteren Verlusten teil. Vor den Worten “höheren Auseinandersetzungsguthaben” steht ja mit Absicht die Einschränkung “ggf.”.

So hat ein Anleger, der zu 2011 den Fonds DSS Vermögensverwaltung und Co. Premium KG gekündigt hat aus z.B. 10.000 EUR Einmaleinlage (zzgl. 500,00 € Agio) ein Auseinandersetzungsguthaben von 2.933 € , also einen Verlust von über 70% der Einlage mitgeteilt bekommen. Hat er sich für die Vertragsverlängerung entschieden, so wurde das Auseinandersetzungsguthaben aber jedes Jahr noch weniger. Zum 31.12.2015 waren es dann nur noch 1.434 € und zum 31.12.2017 gerade einmal 954 €, d.h. über 90% der Einlage sind weg!

Einmalanleger der Premium Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG erhalten nach 7 Jahren zum 31.12.2016 von 10.000 € sogar nur 830 € zurück, Ende 2014 waren es noch 6.179 €. Aktuell zum 31.12.2017 sind es nur noch 436 €, wobei die Verluste auch bei der Premium Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG nunmehr die Einlage des Einmalanlegers übersteigen! 2014 waren es “nur” 43% der Einlage. Stille Reserven: Fehlanzeige!

Bei der Premium Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG haben sich im Jahre 2017 die Verluste bei einer Einmaleinlage von 10.000 € von 9.670 € auf 10.064 € erhöht. Auf ihrer Internetpräsenz heißt es hingegen:

“Im Jahr 2017 bis Stand 28.3.2018 war der Geschäftsverlauf positiv und wurden Gewinne erwirtschaftet.”

Gerne prüfen wir die Abrechnung von DSS-Anlegern und zeigen rechtliche Möglichkeiten auf, denn wer bei Beteiligungsabschluss fehlerhaft beraten, unvollständig aufgeklärt oder getäuscht wurde kann Schadensersatzansprüche geltend machen. Je nach Beitrittszeitpunkt ergeben sie auch Prospektfehler, die Schadensersatzansprüche begründen können.

Auch Anleger mit Ratenzahlungsverpflichtungen sollten sich über ihre rechtlichen Möglichkeiten informieren.

Fazit: Anleger der DSS-Fonds sollten rechtzeitig Ihre Ansprüche rechtlich prüfen und sich nicht von vernichtenden “Abrechnungen” abschrecken lassen. 10 Jahre nach Beteiligungsabschluss verjähren Schadensersatzansprüche.


Autor: Rechtsanwalt Jürgen Naumer

VentaPlan KG – Prozess vor dem Landgericht München I

(Mai 2018) Die VentaPlan KG emittierte von Mitte 2008 bis 2011, verfehlte ihre Planungsziele himsichtlich des einzuwerbenden Kommanditkapitals und der Investitionshöhe drastisch und wurde danach mit großem Verlust und intransparenten Zahlenaufstellungen abgewickelt, weil man die Kontrolle und Überwachung fürchtete, die das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) seit Mitte 2013 mit sich brachte.

Anleger der VentaPlan KG erzielten immerhin noch rd. 64% ihrer Einlagen als Liquidationserlös, wenn man der „Berechnung“ des Liquidationsvermögens glauben kann. Damit steht die VentaPlan im Gegensatz zu den anderen Fonds der DSS-Gruppe noch „gut“ da, bei denen Einmalanleger einen Totalverlust erleiden.

Einige Anleger geben sich damit aber nicht zufrieden und das mit Recht: Auch bei der Vermittlung der Beteiligungen an der VentaPlan wurde von den Vermittlern unseren Mandanten das Märchen von der Kapitalgarantie für ihre Einzahlungen erzählt, Risiken verschwiegen und war der Prospekt bei vielen Anlageentscheidungen völlig veraltet.

Anleger die bei Erwerb der Beteiligung an der VentaPlan KG unzureichend bzw. fehlerhaft beraten oder sogar arglistig getäuscht wurden, haben gegenüber den Gründungsgesellschaftern, den Initiatoren und den Anlageberatern einen Schadensersatzanspruch. Hier sollte aber unbedingt die 10-jährige Verjährungsfrist im Auge behalten werden.

In einem Prozess vor dem Landgericht München I stützen wir die Ansprüche nicht nur auf eine fehlerhafte Darstellung der Kapitalanlage, insbesondere hinsichtlich der zahlreichen Risiken. Unserem Mandanten wurde auch ein völlig veralteter Prospekt bei Unterschriftsleistung übergeben, der wesentliche negative Veränderungen nach Prospektaufstellung verschwieg. Der Prospekt wurde offenbar weder aktualisiert noch wurden Nachträge ausgehändigt, die auf diese negative Entwicklung der Fondsgesellschaft hinwiesen.

Nach unserer Auffassung waren mindestens nach Änderung des Gesellschaftsvertrages im Jahr 2009 die Renditeangaben bei der VentaPlan für die kurzen Laufzeiten von vornherein unplausibel, denn sie berücksichtigten nicht, dass bei der möglichen Kündigung direkt nach der Platzierungs- und Verlustphase kein Ergebnis in Höhe der Renditeangaben erzielt werden konnte, wie eine Analyse der Planungsrechnung unzweideutig ergibt.

Für die Prospektfehler des Emissionsprospektes der VentaPlan KG und die unplausiblen Renditeangaben bei kurzen Laufzeiten haften auch die Gründungsgesellschafter der VentaPlan KG auf Schadensersatz.


Anleger der VentaPlan KG sollten daher Ihre Ansprüche rechtzeitig rechtlich prüfen lassen.



Autor: RA Jürgen Naumer

Rechtsanwaltskanzlei Naumer & Naumann

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